03.03.2018, D. Suarez: „DARKNET“ (4/5)

Popcorn-SciFi auf hohem Niveau

DARKNET
Autor: Daniel Suarez
Taschenbuch, 480 Seiten
Rowohlt Taschenbuch Verlag, 02. Mai 2011
ISBN 3499252449

Vorgeschichte: Auf den amerikanischen Autor Daniel Suarez bin ich im Kontext des damals aktuellen Romans „Control“ aufmerksam geworden. „Darknet“ habe ich mir zusammen mit „Daemon“ bestellt, nachdem ich mit „Control“ durch war.

Inhalt: Die Handlung knüpft unmittelbar an „Daemon“ an. Der Leser erhält mehr und mehr Innensicht in das namensgebende „Darknet“, während die Protagonisten ums nackte Überleben kämpfen, da die Söldnerhorden der Finanzindustrie zwischenzeitlich mit allen verfügbaren Ressourcen gegen den Daemon anrücken. Die unausweichliche Konfrontation fordert hohen Blutzoll … und endet mit einer Überraschung und einer unerwarteten Option. Inmitten all der Action wird die neue Weltordnung, die der Daemon mit seinem „Darknet“ erschaffen will, ausführlich erklärt und motiviert. Zwischen den Zeilen glaubt man, die Sympathie zu spüren, die der Autor dieser entgegenbringt.

Erzähltechnik: Der Roman umfasst einen Zeitraum von einem halben Jahr. Ebenso wie im Vorgänger wird die Geschichte von wechselnden Protagonisten (bzw. Antagonisten) in der dritten Person erzählt. Die Sprache ist technisch gehalten, dabei aber stets unverschnörkelt und schlicht. Die Kapitel sind vergleichsweise kurz, die Handlung streitet zügig voran und endet vergleichsweise abrupt. Obwohl der Roman abgeschlossen ist, hätte ich mir für einige (echte und virtuelle) Charaktere noch etwas mehr Zeit gewünscht, um ihre Geschichte besser abzurunden (Loki, Boerner).

Suchtfaktor: Die Magie des ersten Bandes wird aus meiner Sicht nicht mehr ganz erreicht, da der Leser sich irgendwann an den Daemon gewöhnt. Während die Razorbacks den Leser in Band 1 noch erstaunen und erstarren lassen, tauchen sie in Band 2 zu Hunderten auf, und dieses „Höher, schneller, weiter“-Prinzip zieht sich durch den gesamten Roman. Die Konfrontationen, die im ersten Band lokalen Charakter hatten (und z.B. auf dem Grundstück des Daemon-Schöpfers stattfinden), haben im zweiten Band existenzielle Bedeutung, entscheiden über nichts weniger als die Weltherrschaft, weil der Daemon gewachsen ist … und ebenso die Armeen, die sich ihm entgegenstellen. Spannend ist das ohne Frage. Ebenso wie „Daemon“ ist auch „Darknet“ ein Pageturner par Excellence, allerdings ohne dessen Genialität zu erreichen. Wer ein Faible für leise und subtile Bücher hat, ist bei „Darknet“ fehl am Platz. Hier kämpfen Horden von Nerds (und ihre Maschinen) gegen Horden von Elitesöldnern, Weltanschauungen prallen aufeinander, und am Ende gibt es Sieger und Verlierer, wenig Grau, viel Schwarzweiß. Popcorn-SciFi auf hohem Niveau, gut gemacht, schnell verschlungen.

Was bleibt: der Verdacht, dass der Roman mit etwas weniger Idealismus, etwas weniger Bombast, etwas weniger Weltherrschaft und etwas weniger Weitsicht des Daemon-Schöpfers (der wie immer allen Lebenden einen Schritt voraus ist) noch ein wenig packender, realistischer und verstörender hätte werden können. Band 1 hat mich aufgewühlt. Band 2 hat mich gut unterhalten. Dagegen ist nichts zu sagen; ich werde gerne gut unterhalten. Das Problem ist eher – was mich heute unterhält, habe ich morgen vergessen. Was mich aber heute verstört, bleibt auch morgen in meinem Kopf, lässt mich die Welt mit anderen Augen sehen.

Fazit: eine gute Fortsetzung eines hervorragenden Erstlings, grundsolide, spannend, aber nicht ganz auf dem Niveau des ersten Bandes. Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

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