05.06.2016, M. Mayer: „Ankwin – Tod eines Kriegers“ (4/5)

ankwinEin Tod zieht Kreise

Ankwin – Tod eines Kriegers 4_0_stars
Autor: Markus Mayer
Taschenbuch, 581 Seiten
CreateSpace, 01. April 2013
ISBN 1483979474
Kindle-ASIN: B00C0TAZ2W
Erhältlich bei: Amazon

Alles beginnt mit einem Ende. Der krankheitsbedingte Tod des „Halben“ – eines wortkargen Einsiedlers, der seinen Namen der banalen Tatsache verdankt, dass er in einer ärmlichen Hütte auf halbem Weg zur Kräuterfrau des Dorfes Birgenheim lebt – setzt eine Kette von Ereignissen in Gang, an deren Ende Birgenheim um Haaresbreite einer Katastrophe entgeht.

Der Tod des „Halben“ ist der Ausgangspunkt des Debütromans von Markus Mayer, der schon bald fortwährend zwischen zwei Zeitebenen hin- und herwechselt. In die Gegenwart des eisigen Birgenheimer Winters, in der ehemalige Gefährten des Verstorbenen schon bald die verdutzte Kräuterfrau und deren Sohn aufsuchen, um dem Freund die letzte Ehre zu erweisen, werden zahlreiche Rückblenden aus dem Leben des Toten hineingewoben. In diesen erfährt der Leser nicht nur, dass es sich bei dem Verstorbenen um Ankwin, den Sohn des Fürsten von Bärenfels, handelt – auch dessen Gefährten werden vorgestellt und wachsen dem Leser schnell ans Herz.

Beide Zeitebenen – die Gegenwart, die mit der prunkvollen Bestattung des verstorbenen Kriegers endet, sowie die Rückblenden, in der Ankwin und seine Gefährten eine Verschwörung aufdecken, die schon bald zahlreiche Menschenleben fordert – münden in einem Finale, das die Handlungsstränge beider Zeitebenen gekonnt in Einklang bringt und den Leser atemlos und überrascht zurücklässt. Das offene Ende deutet auf eine Fortsetzung hin, die der Autor auf seiner Webseite bereits angekündigt hat.

Die Protagonisten sind klassisch gehalten und mit viel Liebe zum Detail erzählt. Die verwendete Sprache ist zweckmäßig und sachlich. Gelegentlich auftretende Rechtschreibfehler stören den Lesefluss nicht. Insbesondere im letzten Drittel entfalten die sich immer deutlicher erschließenden Zusammenhänge zwischen Rückblenden und Gegenwart eine hohe Dynamik. Dank der Tragik, die diesen Zusammenhängen innewohnt, entwickelt die Handlung insbesondere gegen Ende des Buches eine hohe Sogwirkung.

Das Fazit fällt entsprechend positiv aus. Bei „Ankwin – Tod eines Kriegers“ handelt es sich um ein gelungenes und mit viel Herzblut erzähltes Debüt. Trotz kleiner formaler Schwächen und gelegentlichen genretypischen Klischees stellt insbesondere die kontinuierliche Vermischung der beiden Zeitebenen ein gelungenes Stilmittel dar. Der Tod des „Halben“, mit dem das Buch beginnt, fächert sich in Gegenwart und Vergangenheit zu einer vielschichtigen und kurzweiligen Geschichte auf, die gemäß den Ankündigungen auf der Webseite des Autors zeitnah in einem Nachfolgeband fortgesetzt werden soll.

Ich vergebe vier von fünf Sternen.