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08.08.2018, T. Dietz: „Sünde – Was Menschen heute von Gott trennt“ (5/5)

Sünde – Was Menschen heute von Gott trennt
Autor: Thorsten Dietz
Gebundene Ausgabe, 224 Seiten
SCM R.Brockhaus, 11. August 2017
ISBN 3417267846

Vorgeschichte: Mich hat der Titel des Buchs neugierig gemacht. Das uralte biblische Thema „Sünde“ prallt auf unsere heutige „Alles kann nichts muss“-Welt … wie passt das zusammen? Um mir diese Frage zu beantworten, habe ich dieses Buch erworben.

Inhalt: Der Autor, der eine Professur für Theologie an einer Evangelischen Hochschule innehat, löst sich völlig von den klassischen z.B. aus Finchers „Sieben“ bekannten „Todsünden“ (namentlich: Hochmut, Habgier, Neid, Zorn, Wollust, Völlerei, Trägheit) und definiert stattdessen eigene Sünden. Anstelle von Substantiven beschreibt der Autor „seine“ sieben Sünden durch Adjektive (namentlich: blind, hart, süchtig, selbstlos, reich, sicher, träge). Die getroffene Auswahl lässt Raum für Diskussionen, wird jedoch im Verlauf des Buchs schlüssig begründet.

Erzähltechnik: Jeder Sünde ist ein eigenes Kapitel gewidmet, wobei festgehalten werden muss, dass der Autor sich dem jeweiligen Thema nicht aus ethischer oder moralischer, sondern stattdessen aus christlicher Sicht nähert. Die resultierenden sieben Kapitel machen den Kern des Buches aus, der von zwei einleitenden und einem finalen Kapitel eingerahmt wird. Jede der sieben Sünden wird zudem durch ein anschauliches Beispiel aus einem bekannten Film bzw. einer bekannten Fernsehserie untermalt. Da der Autor zu diesem Zweck ausnahmslos Klassiker wählt (von „Herr der Ringe“ über „Harry Potter“ und „Star Wars“ bis hin zur „Matrix“ oder den „Hunger Games“ ist so gut wie alles aus dem SciFi-Bereich dabei, was Rang und Namen hat!), sind diese Beispiele ebenso verständlich wie kurzweilig geraten.

Suchtfaktor: einmal angefangen, habe ich das Buch ziemlich schnell durchgelesen. Die Kapitel-Auswahl war für mich ein zentrales Kaufargument (wieso in aller Welt definiert der Autor z.B. „selbstlos“ und „sicher“ als Sünden?). Auch der Schreibstil hat mir sehr gefallen, da der Autor nie moralisierend und mit erhobenem Zeigefinger, sondern stattdessen kurzweilig und feinsinnig über die Thematik nachdenkt. Ich hatte mehr als einmal das Gefühl, dass der Autor über das besondere Talent verfügt, Dinge, die man immer schon so oder so ähnlich intuitiv gespürt hat, auf den Punkt zu bringen und zu verbalisieren. Diese Verbalisierung erfolgt in gehobenem, jedoch jederzeit verständlichem Deutsch.

Was bleibt: ein neues Verständnis für einen Begriff, der im Lauf der Jahrhunderte seine Bedeutung verloren hat. Das Buch beinhaltet so viele Weisheiten, dass ich mir fest vorgenommen habe, es noch ein zweites Mal zu lesen. Es gibt nicht allzu viele Bücher, von denen ich das behaupten kann.

Fazit: ein ungewöhnliches, beinahe schon einzigartiges Buch. Wer im Jahr 2017 so mutig und kurzweilig über ein Thema schreibt, zu dem unsere Welt jedweden Bezug verloren hat, dem gebührt meine uneingeschränkte Hochachtung. Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

05.08.2018, E. M. Magnis: „Gott braucht Dich nicht – eine Bekehrung“ (4/5)

Wie kann Gott das zulassen?

Gott braucht Dich nicht – eine Bekehrung
Autor: Esther Maria Magnis
Taschenbuch, 240 Seiten
Rowohlt Taschenbuch Verlag, 24. Mai 2014
ISBN 3499624362

Vorgeschichte: Ich wurde durch eine Rezension in einer christlichen Zeitung auf das Buch aufmerksam. Der Rezensent hat das Buch so sehr über den grünen Klee gelobt, dass ich neugierig geworden bin.

Inhalt: Bei dem autobiographischen Roman handelt es sich um das Erstlingswerk der heute 37jährigen Wahl-Berlinerin. Der geschilderte Zeitraum umfasst die ersten 24 Lebensjahre der Autorin, die mit dem Krebstod von Vater und Bruder zwei schwere Schicksalsschläge erleidet. Im Zentrum des Buchs steht die Frage nach Gott, untrennbar verknüpft mit der Frage nach dem Leid. Wie kann ein liebender Gott so etwas zulassen? Wie kann er schweigen, während all das passiert?

Erzähltechnik: Wortwahl und Satzbau sind ungewöhnlich, poetisch, faszinierend. Die Ereignisse werden in der Vergangenheit erzählt, aus der Perspektive einer Ich-Erzählerin und mit einer entwaffnenden Ehrlichkeit, über die der Leser bei aller Tragik oft schmunzelt. In kurzen Sätzen beschreibt die Autorin ihre innersten Gedanken und Gefühle und schont weder Gott noch sich selbst, wenn sie Schlaglicht-artig einzelne Episoden aus ihrem Leben schildert und sie um philosophische Einschübe oder Selbstgespräche anreichert, die zu Gebeten werden und sich ausdehnen, nachhallen, durch Mark und Bein gehen.

Suchtfaktor: Das Buch macht nicht süchtig. Stattdessen schreit es sein Leiden laut hinaus, und im Angesicht des Gottes, der dieses Leid zulässt und auf sich nimmt, wird der Leser leise, demütig und dankbar. Das Buch lädt dazu ein, Prioritäten neu zu setzen, Gottesbilder zu hinterfragen, scheinbare Selbstverständlichkeiten neu zu bewerten. Aus meiner Sicht ein geringer Sucht-, aber ein extrem hoher Sinnfaktor.

Was bleibt: ein verstörendes Gefühl der Fremdheit. Das Buch zerstört Illusionen ebenso wie gängige Gottesbilder. Es lässt den Leser nackt und bloß im Angesicht eines Gottes zurück, den er weder versteht noch verstehen kann, weil das in „der Kirche“ vermittelte spießige und harmlose Gottesbild krachend durch jeden Realitätscheck fällt.

Fazit: ein sehr lesenswertes Buch, fragil, authentisch, ehrlich bis zum Fremdschämen. Ich mag den Schreibstil der Autorin, ich mag den Mut und den Intellekt, mit dem die Autorin dem christlichen Gott begegnet und ihn letztendlich für sich findet. Keine leichte Kost, kein seichtes „Happy-Clappy“, stattdessen ein rücksichtsloses Ringen um existenzielle Fragen, wofür ich 4 von 5 Sternen vergebe. Definitiv kein Buch für den Strandurlaub, aber ein Muss für jeden, der sich auch nur wenig für christliche Religion interessiert.

Gereon Sand auf fantasyguide.de

Auf fantasyguide.de sind vor ein paar Wochen Rezensionen zu Band 2 bzw. Band 3 von „Rasmus und die Gilde der Propheten“ eingetroffen.

Zitat aus der Rezension zu Band 2: „Hier stimmt einfach alles: Stil, Sprache und Handlung. Nur gut, dass Band 3 schon bereitliegt, um gleich weiterzulesen. Dieses beeindruckende Fantasy-Epos kann allen Genre-Fans nur empfohlen werden.“

Zur vollständigen Rezension von „Die Tiefen Wege“ auf fantasyguide.de

Die Rezension von Band 3 ist ähnlich positiv: „Für den Leser beginnt sich aus der Vielzahl der Einzelhandlungen ein großes Bild zu formieren. Eine Überraschung jagt die nächste. Die Spannung lässt kaum mal für kurze Zeit nach.“

Zur vollständigen Rezension von „Die Inneren Wege“ auf fantasyguide.de

An dieser Stelle einmal vielen herzlichen Dank für die Blumen 😉

LG

Gereon

Leveret Pale im Interview

Seit nunmehr 2 Jahren verfolge ich mit wachsendem Interesse und zunehmendem Staunen die sich in unglaublicher Geschwindigkeit vollziehende Entwicklung meines Autorenkollegen Leveret Pale.

Vor einigen Tagen hat das seit Monaten geplante Vorhaben, Leveret zu interviewen, endlich funktioniert. Mein Gesprächspartner hat sich viel Zeit für mich genommen und auch die kniffligen persönlichen Fragen nicht ausgelassen 🙂

Aber lest selbst!

LG

Gereon


Ich beginne mit ein paar harmlosen Fragen rund ums Schreiben…

Q: Du bist neunzehn Jahre alt, machst gerade Abitur und hast bereits neun Bücher veröffentlicht. Außerdem bist Du Vorstandsmitglied des BvJA, hast eine florierende Instagram-Seite … wo in aller Welt nimmst Du die Zeit her?

A: Das werde ich oft gefragt, von Mitschülern wie von Bloggern und Journalisten. Ich denke, die einfachste Antwort wäre, ich schlafe wenig und ich hasse Zeitverschwendung. Ich benutze kein Netflix, ich spiele keine Videospiele, ich sehe mir so gut wie keine Filme an, ich verschwende meine Zeit nicht mit Menschen, die einen negativen Einfluss auf mein Leben haben. Und als Schüler, selbst mitten in der Abiturphase, hat man eigentlich meiner Meinung nach selbst wenn man lernen muss, noch sehr viel Freizeit. Es ist nur halt die Frage, wie man diese nutzt. Und viele spielen halt Videospiele, sehen Serien, verbringen Stunden in Sozialen Netzwerken oder besaufen sich auf sinnlosen Partys. Das Leben ist kurz, und niemand bereut es am Ende, dass er zu wenig Zeit vorm Fernseher verbracht hat. Deshalb bevorzuge ich mein Leben mit mehr aus meiner Sicht sinnvollen Dingen zu füllen: Freundschaften, Leidenschaften, Liebe, neue Erlebnisse und Erfahrungen, intensive Gespräche, Reisen durch fremde Länder, viel Lektüre guter Literatur und nicht zu letzt kreative Tätigkeiten wie das Schreiben, die mich erfüllen. Allein wen man morgens in der Bahn beim Pendeln zur Arbeit oder zur Schule statt Videospiele auf dem Smartphone zu spielen, ein paar Seiten eines guten Buches liest, bereichert man den Tag und regt das Gehirn zu mehr an. Wenn man es wirklich will, ist es nicht unmöglich neben dem Arbeiten oder Lernen zu schreiben, ohne sein Sozialleben vernachlässigen zu müssen. Es ist alles eine Frage der Prioritäten.

Q: Ebenso wie „Gereon Sand“ ist auch „Leveret Pale“ ein Pseudonym. Warum ein Pseudonym und warum ausgerechnet dieses?

A: Das Pseudonym entstand am gleichen Tag, an dem ich entschied, professioneller Schriftsteller zu werden. Damals war ich sechzehn und verabreichte mir versehentlich eine Überdosis eines halluzinogenen Drogencocktails. Dieses Erlebnis konfrontierte mich mit meinen inneren Problemen, verdrängten Erinnerungen und Wünschen. Ich erkannte in der Todesangst, dass es meine Bestimmung im Leben war, meine Intelligenz und Kreativität produktiv einzusetzen. Ich erkannte, dass ich dazu auch Schreiben musste. Als ich dann langsam wieder zu mir kam, schaltete irgendjemand den Film Alice in Wunderland an. Mein Sichtfeld war noch immer mit Mandalas durchzogen und die Texturen waberten und verschwammen, mein Zeitgefühl war außer Kontrolle; ich war kaum in der Lage zu verstehen, was im Film geschah, aber ich weiß noch, wie ich dachte: Ich muss wie das weiße Kaninchen sein; die Menschen in neue Welten und Abgründe führen, damit wir uns alle besser verstehen. Und nun, Leveret Pale ist Englisch und bedeutet wörtlich übersetzt „blasses Kaninchen“, klingt aber mehr nach einem Namen, als White Rabbit. Ursprünglich diente es zum Schutz meiner privaten Identität, aber nun ist es nurmehr ein Markenname. Als Nikodem Skrobisz veröffentliche ich dann eher Essays als Romane.

Obwohl es mich durchaus interessiert, frage ich nicht nach den Details der versehentlichen Überdosis. Stattdessen bleibe ich tapfer beim Schreiben und erfrage Hintergründe.

Q: Wann und warum hast Du angefangen, zu schreiben? Was war Deine erste Geschichte?

A: Meine erste Geschichte habe ich mit vier Jahren auf Polnisch geschrieben. Wir waren zu der Zeit für zwei Jahre nach Krakau gezogen, und ich bin dadurch zweisprachig aufgewachsen. Diese erste Geschichte heißt übersetzt „Niko und die Piraten“. Darin geht es darum, wie ich zusammen mit Piraten die Welt umsegel und ein Abenteuer erlebe. Meine Mutter hat die Geschichte damals für mich abgetippt und ausgedruckt. Das zusammengetackerte Heftlein samt meiner Illustrationen habe ich noch immer. Ich hatte schon damals unglaublich viel Spaß am Erfinden von Geschichten. Seitdem habe ich eigentlich mein ganzes Leben lang in irgendeiner Form geschrieben, vor allem Tagebücher und Essays. Die ersten Romane versuchte ich mit 12 zu schreiben, was aber an meiner Ausdauer scheiterte. Stattdessen designte und programmierte ich damals kleine Videospiele auf Basis der Ideen. Meinen ersten vollständigen Roman schrieb ich mit 16 nach meinem Entschluss Autor zu werden.

Ich vermute stark, dass Leveret bei seinem Schreibtempo eher spontan agiert, frage aber trotzdem nach…

Q: Schreibst Du einfach drauflos? Oder planst Du lange im Voraus? Was machst Du heute anders als bei Deinen ersten Büchern?

A: Meine Vorgehensweise variiert von Text zu Text. Manche Texte kommen wie eine Eingebung; dann muss ich nur noch mich hinsetzen und es schreibt sich wie von allein; andere, vor allem längere, verlangen oft sorgfältige Planung und Konstruktion. Was das angeht, unterscheide ich mich etwas von meinen frühen Tagen, wo ich einfach nur drauflos schrieb. Aber die größten Veränderungen fanden in den letzten Jahren vor allem in der Qualität, dem Inhalt und den Prozessen nach der ersten Fassung statt. Ich schreibe mittlerweile mehr oder weniger komplett andere Texte, als zu Beginn. Während ich mich mit 16 noch viel mit Fantasy und Horror beschäftigte, bin ich nun vor allem mit ScienceFiction und experimenteller, postmoderner Literatur beschäftigt. Ich arbeite auch viel professioneller und sorgfältiger. Die Texte haben eine deutlich bessere Qualität und durchlaufen auch mehr entsprechende Qualitätskontrollen durch Lektoren und Korrektoren. Ich veröffentliche auch nicht mehr ausschließlich als Selfpublisher, sondern mittlerweile auch in Verlagen. So erschien zum Beispiel meine ScienceFiction Kurzgeschichte „XN4-DMT“ im März in der Noir-Anthologie des SadWolf Verlags. Mein nächster Roman jedoch, „Der Apfelsmoothie der Erkenntnis“ erscheint voraussichtlich am 20. Juni im Selfpublishing bei epubli.

Q: Für wen schreibst Du?

A: Für die Welt und für mich. Einerseits schreibe ich, weil ich sonst keinen inneren Frieden finden würde, wenn ich meine Gedanken und Fantasien nicht ausformulieren könnte. Meine Kreativität braucht einfach diesen Auslauf; und wenn ich mich intensiver mit etwas beschäftige, schreibe ich oft danach ein Essay darüber, um meine Gedanken zu sortieren. (Diese Essays findet man teilweise auf meinem Blog https://leveret-pale.de ). Anderseits will ich auch die Welt mit meinen Texten und Ideen verbessern und meine Leser zum Nachdenken anregen. Ich habe einen riesen Spaß daran mit Lesern auf Lovelybooks oder via Mail oder auf Messen philosophische Ideen und Fragen zu diskutieren, die aus der Lektüre meiner Bücher oft hervorgehen. Und wenn jemand sagt, dass ein Buch von mir ihn oder sie zum Nachdenken angeregt hat, dann ist das für mich das schönste Lob.

Da ich jetzt so langsam die Kurve zum Persönlichen gekriegt habe, frage ich nochmal ganz dezent nach…

Q: Wonach bist Du süchtig? Was macht diese Sucht mit Dir?

A: Nun, an einer richtigen selbstzerstörerischen Drogensucht leide ich zum Glück nicht. (auch wenn es immer wieder zu Phasen exzessiven Kaffee- und Ritalinkonsums kommt, wobei die letzte derartige Phase auch schon Monate her ist und ich die meisten Tage und Wochen nüchtern bin und sogar auf Koffein verzichte). Ich habe eher zwei substanzungebundene Süchte:

Einmal Informationen bzw. Wissen. Ich will über die Dinge, die mich interessieren, immer alles wissen, alles verstehen und analysieren. Wenn irgendetwas mein Interesse weckt, dann komme ich kaum noch zur Ruhe, bis ich die Zusammenhänge verstehe und die Faktenlage kenne. Das führt einerseits zu schlaflosen Nächten, in denen ich mich durch Google Scholar, Pubmed, Bücherstapel, Foren und Magazine arbeite; und dazu, dass ich meine Mitmenschen manchmal mit Statistiken und Analysen nerve. Anderseits habe ich mir durch diese Obsession über die Jahre eine sehr umfassende Allgemeinbildung aufgebaut. Diese lasse ich auch immer wieder in meine Texte einfließen. Darüber hinaus muss ich dank ihr für die Schule so gut wie nichts lernen, da mir Vieles bereits bekannt ist oder ich mir Neues leicht aneignen kann.

Und eine zweite Sucht ist die nach Neuen und Nervenkitzel, wobei diese stark mit meinem unstillbaren Wissenshunger zusammenhängt. Das Einzige, was mich mehr nervt als Zeitverschwendung, ist Langweile. Das hängt wahrscheinlich aber auch mit meinen ADHS zusammen, weil aufgrund der Störung des Dopaminhaushalts ADHSler zwischen Flow und assoziativer Hyperaktivität hin und her schalten, und es sehr schwer ist, ein normales Konzentrationslevel aufrechtzuhalten. Stimuli wirken auch stärker, dafür kürzer. Ich bin immer auf Achse, immer auf der Suche nach neuen Ideen und neuem Input, sei es in meinem Inneren oder in der Außenwelt. Generell bin ich ein sehr hyperaktiver Mensch und überhole beim Spazierengehen gedankenverloren manch einen Jogger. Diese Jagd nach Neuem sorgt dafür, dass ich immer wieder auf neue Inspiration und Anregung für mein Denken stoße, dass ich neue Hobbys ausprobiere; aber auch, dass ich mich oft in gefährliche Situationen begebe. Ich hab mich zum Beispiel bereits selbst aus „Recherchegründen“ mit jeweils separat K.O. Tropfen (bzw. GBL), Chloroform und Roofies selbst ausgeknockt, nur weil das Zeug gerade verfügbar war und ich wissen wollte, wie sich das in der Realität anfühlt. ( obwohl ich sonst nicht auf Betäubung stehe. Ich trinke keinen Alkohol und vermeide auch sonst betäubende Substanzen oder Tätigkeiten.) Anderseits habe ich durch solches Verhalten auch viele meiner Ängste überwunden. So hatte ich als Kind eine Sozialphobie, und nun halte ich sehr gerne und erfolgreich Lesungen, Referate und Reden, und werde auch die Abschlussrede bei der Abiturfeier in zwei Monaten halten. Ich liebe diesen Adrenalin- und Dopaminkick, den die Rudimente dieser Angst verursachen, wenn ich auf einer Bühne stehe. Er schärft meinen Fokus die Aufgaben besser und eleganter zu lösen.

Uiiii … ein langer und ehrlicher Seelenstriptease. Ich hake nicht nach, wieso Chloroform „gerade verfügbar“ war, sondern nutze die Tatsache, dass wir sowieso gerade über persönliche Dinge sprechen…

Q. Woran glaubst Du? Wofür kämpfst Du?

A: Ich glaube an den menschlichen Verstand, die Logik und die Wissenschaft und deren Fähigkeit die Welt zu analysieren und zu verbessern; allerdings glaube ich auch, dass Wissenschaft nicht allein reicht, um alles zu erklären und den Menschen ein sinnvolles Leben zu geben. Dafür braucht es allerdings keine Religionen, die oft toxische Nebenwirkungen haben, sondern eher einen aufgeklärten Spiritualismus, der zwar noch immer die Archetypen in uns ausdrücken und uns Halt und Sinn geben kann, aber uns nicht in so primitive Verhaltensweisen wie Hass und sinnlose Gewalt abrutschen lässt. Ich glaube, wir brauchen mehr Ehrlichkeit und mehr Bildung, und weniger Ignoranz. Ich glaube, dass die Welt ein besserer Ort wäre, wenn alle Menschen alle Wahrheiten wüssten und man sich mit diesen ehrlich und reflektiert auseinandersetzen würde.

Daher kämpfe ich mit meinen Texten sozusagen für die Überwindung von Ignoranz, gegen Religionen, für Ehrlichkeit, für Vernunft, für Aufklärung und für mehr Wissen. Ich schreibe daher auch oft Essays über Nischenthemen, um Aufklärung zu betreiben und Schäden zu minimieren.

Q: Was ist Glück für Dich? Bist Du oft glücklich?

A: Ich bin zurzeit überwiegend sehr glücklich. Was mich persönlich immer wieder überrascht, weil ich die meiste Zeit meines Lebens an Depressionen, Ängsten und den Folgen meines ADHS litt. Aber seit gut eineinhalb Jahren sind die psychischen Probleme fast weg, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass ich die Pubertät und ihre Turbulenzen hinter mir lasse. Trotz der Belastung durchs Abitur und auch private Probleme, wie die Trennung von meiner nun Ex-Freundin vor wenigen Wochen, führe ich zurzeit ein sehr ausgeglichenes Leben. Für mich ist es Glück, wenn ich mein Leben sinnvoll gestalten kann, mit mir selber zufrieden bin, gesund bin und meine Zeit ausgeglichen mit mir wichtigen Personen, Tätigkeiten und Dingen verbringen kann. Es ist nicht ganz einfach, Kreativität, Sport, Schule, Soziales und Erholung unter einem Hut zu bringen, aber ich habe mir durch meine Erfahrungen der letzten Jahre eine starke Resilienz aufgebaut, weshalb mich nichts mehr so schnell aus der Ruhe bringt.

Ich bedanke mich für die entwaffnende Ehrlichkeit und beende das Interview mit ein paar klassischen unvollständigen Sätzen. Als Internetjunkie interessiert mich besonders der erste …

Q: Ohne Internet bist Du … ?

A: Von einem großen Teil meines natürlichen Lebensraums und vielen wichtigen Daten abgeschnitten. Ich habe mich von Klein auf auch viel mit Computern und dem Internet beschäftigt, habe auch selber eine zeitlang programmiert und heute organisiere ich große Teile meines Lebens mit dem Internet. Mit einer Cloud verwalte und sichere ich meine wichtigen Dateien wie Manuskripte; über einen digitalen Terminkalender organisiere ich meinen Alltag; über diverse Apps kommuniziere ich mit meinen Mitmenschen und verwalte Projekte und Treffen. Darüber hinaus ist das Internet auch eine meiner größten Informationsquellen, da ich damit am schnellsten auf wissenschaftliche Publikationen und Nachrichtendienste zugreifen kann. Mittlerweile bin ich wie die meisten Menschen in der ersten Welt so sehr mit dem Internet verschmolzen, dass ohne es große Teile meines Lebens und Arbeiten kaum noch realisierbar wären. Es ist nicht allerdings so, dass ich nach dem Internet süchtig wäre. Auf Reisen (z.B. durch die Kalahariwüste vor zwei Jahren) oder während der Schulzeit habe ich kein Problem darauf zu verzichten. Es ist nur unglaublich praktisch und fungiert als eine Erweiterung meiner analogen Fähigkeiten.

Q: In fünf Jahren siehst Du Dich … ?

A: Wenn alles nach Plan läuft, mitten im Psychologiestudium an der Universität Amsterdam und mit paar mehr Buchveröffentlichungen auf dem Kerbholz. Ich möchte langfristig eine akademische Karriere im Bereich Psychologie und Neurowissenschaften einschlagen.

Q: Dein Lieblingsbuch ist … ? Bitte nur eine Nennung!

(Leveret verzieht das Gesicht. Ich habe den Nachsatz extra angefügt, um es ihm schwer zu machen … und erhalte postwendend Recht)

A: Ich tue mir sehr schwer damit, mich auf ein Lieblingsbuch zu beschränken, da es kein perfektes Buch gibt und keins, das alle Aspekte der Welt umfasst. Aber wenn ich mich auf ein Buch beschränken muss, dann ist es „Also sprach Zarathustra“ von Nietzsche. Dieses Buch vereint Erzählung, Dichtung und überragende philosophische Weitsicht wie kaum ein anderes. Aber …. ich kann es nicht lassen, „Schuld und Sühne“, „Metro 2033“, „The Rum Diary“, „Der Mensch und seine Symbole“, „Und Nietzsche weinte“ als ebenso geniale Kandidaten zu nennen.

Q: Steinmeier ist krank, also hältst Du die Weihnachtsansprache 2018. Du sprichst über … ?

Ehrlichkeit! Ehrlichkeit ist vielleicht ein extrem unpolitischer und auf den ersten Blick unpraktischer Wert. Es ist viel einfacher mit Lügen, Beschönigungen oder Übertreibungen die Realität so zu verzerren, dass sie den Wählern und Mitmenschen gefällt oder in das ideologische Weltbild passt. Aber langfristig führt das Lügen und Manipulieren nur nicht nur dazu, dass niemand mehr einem vertraut, sondern auch dazu, dass  andere Menschen falsche Entscheidungen treffen, weil sie die Wahrheit nicht kennen. Ehrlichkeit kann oft schmerzhaft sein, den eigenem Status schaden oder Beziehungen beenden, aber sie erspart einem selbst und seinem Umfeld langfristig viel mehr unnötiges Leiden. Ehrlichkeit ist daher in unserer digitalisierten und global vernetzten Welt noch viel wichtiger, weil Lügen viel größere Wellen schlagen und sich noch mehr ausbreiten. Die Folgen davon sehen wir in den Wahlergebnissen, in den Debatten um Fake News, in der kollektiven Vereinsamung, in den Sozialen Netzwerken. Wir sollten dann auch eine ehrliche Debatte über die Zukunft Europas führen, auch was der politische Islam, die globale Migration und die Interessen der USA und Chinas in dem Kontext bedeuten, jenseits von linken oder rechten Ideologie-Boxen. Generell würde ich für mehr Ehrlichkeit, mehr Dialog und Offenheit sowohl im Privaten als auch im öffentlichen politischen Diskurs appellieren.

Ich stimme von ganzem Herzen zu und bedanke mich für die offenen Worte.

Ein bemerkenswerter Autor… und aus meiner Sicht ein ebenso bemerkenswertes Interview!